Der Surrealismus in der Schweiz

Diese erste grosse Übersichtsausstellung zum Thema Schweizer Surrealismus im Aargauer Kunsthaus in Aarau bietet 400 auserlesene Schlüsselwerke und überraschende Neuentdeckungen von rund 60 Schweizer Künstlerinnen und Künstlern.

(Bild: Jörg Müller, © 2018, ProLitteris, Zürich) «Dämonisches Frühstück» von Max von Moos

Die neue Ausstellung Surrealismus Schweiz, die vom 1. September 2018 bis 2. Januar 2019 im Aargauer Kunsthaus in Aarau stattfindet, umfasst rund 400 Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen, Fotografien von rund 60 Künstlerinnen und Künstlern. Sie widmet sich erstmalig ausschliesslich und in umfassender Weise dem Thema des Surrealismus in der Schweiz. Im Zentrum des Interesses stehen sowohl die Teilnahme von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern an der 1924 von André Breton begründeten surrealistischen Bewegung in Paris, wie auch die Ausprägungen dieser künstlerischen Haltung im konservativen kulturellen Klima in der Schweiz der 1930er- bis 1950er-Jahre. Der Einbezug von ausgewählten Positionen nachfolgender Generationen veranschaulicht zudem den Einfluss des Surrealismus auf die Entwicklung der Nachkriegsavantgarden und die bis heute ungebrochene Aktualität surrealistischer Bildfindungen und -verfahren. Den Auftakt der Ausstellung bildet eine historische Einführung mit Dokumenten und wichtigen Schlüsselwerken der vertretenen Kunstschaffenden.

Heftiger Kritik ausgesetzt
Verschiedene Schweizer haben den internationalen Surrealismus mitgeprägt, sei es als Vorläufer (Paul Klee, Hans Arp), sei es als Mitglieder der Bewegung in Paris (Alberto Giacometti, Serge Brignoni, Kurt Seligmann, Meret Oppenheim, Gérard Vulliamy, Isabelle Waldberg). Sie schlugen zugleich Brücken zur Schweizer Kunstszene und beteiligten sich an der Gründung progressiver Künstlergruppen wie der Basler Gruppe 33 oder 1937 der Allianz – Vereinigung Moderner Schweizer Künstler, welche Abstrakte und Surrealisten zusammenbrachte. Mehr noch als in Frankreich stiessen die Surrealisten in der Schweiz auf heftige Kritik. Die 1930er-Jahre waren hier von einem konservativen Klima geprägt. Das offizielle Kunstschaffen hatte sich dem Credo einer «nationalen Erneuerung» und «geistigen Landesverteidigung» unterzuordnen. Dieser Verdrängungshaltung verweigerten sich die Surrealisten vehement, was die Œuvres von Künstlern wie Max von Moos, Walter Kurt Wiemken und Otto Tschumi eindrücklich bezeugen.

Der Rundgang im Aargauer Kunsthaus besteht unter anderem aus neun atmosphärischen, dicht gehängten Räumen, die sich den surrealistischen Schlüsselthemen widmen. Sie erzählen von Träumen und Fantasien, vom Körper als Objekt der Begierde oder Sinnbild von existenzieller Bedrängnis, Schrecken, Krieg und Tod, ebenso wie von spirituellen Ordnungen, vom Kosmos und von der Natur als Metapher für Leben und Wachstum.

Frauen spielten immer eine wichtige Rolle
Das Thema des Surrealismus bietet sich an, eine Reihe von Schweizer Künstlerinnen wieder neu zur Kenntnis zu bringen, auch wenn sich nicht alle ausdrücklich als Surrealistinnen bezeichnet hätten. Ihre Präsenz in der Ausstellung postuliert die Anerkennung, dass die Schweizer Kunst des 20. Jahrhunderts durchaus auch von Frauen mitgeschrieben wurde. Zu ihnen zählen unter anderem Anita Spinelli, Henriette Grindat, Ilse Weber und Eva Wipf. Schliesslich zeugen ausgewählte und in die Themenräume eingestreute Werke von zeitgenössischen Kunstschaffenden – Pipilotti Rist, Ugo Rondinone, Hubbard / Birchler, Valérie Favre, Not Vital u. a. – von der ungebrochenen Aktualität von Surrealismen in der Gegenwartskunst. Die Ausstellung wurde von Madeleine Schuppli, Direktorin des Aargauer Kunsthauses, initiiert. Surrealismus Schweiz wurde vom Gastkurator Peter Fischer, ehemaliger Direktor des Kunstmuseum Luzern und Zentrum Paul Klee, Bern, in Zusammenarbeit mit Julia Schallberger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Aargauer Kunsthauses, konzipiert und vorbereitet. Vom 10. Februar bis 16. Juni 2019 wird die Ausstellung in modifizierter Form und betreut von Francesca Benini im Museo d’arte della Svizzera italiana (MASI) in Lugano gezeigt.

pd / Aargauer Kunsthaus

INFOS

Die neue Ausstellung Surrealismus Schweiz findet vom 1. September 2018 bis 2. Januar 2019 im Aargauer Kunsthaus statt.

Eine ausführliche Liste mit den ausgestellten Künstlern finden Sie unter: www.aargauerkunsthaus.ch

Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz
5001 Aarau
Tel. 062 835 23 30
kunsthaus@ag.ch

Die Vernissage geht am Freitag, 31. August 2018, 18 Uhr über die Bühne.
Es sprechen Madeleine Schuppli, Direktorin Aargauer Kunsthaus, Roger Keller, Leiter Region Aarau, Neue Aargauer Bank AG, und Peter Fischer, Kurator
Ab 19.30 Uhr Essen im Zelt auf dem Kunsthaus-Dach
18 bis 20 Uhr Kinder-Vernissage, Besammlung: 18 Uhr im Atelier, UG (5 bis 13 Jahre)

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