Wenn die innere Uhr defekt ist

Die Nacht wird immer heller. Das beeinflusst nicht nur die Gesundheit des Menschen, sondern auch die Natur. Das Naturama Aargau vermittelt anlässlich einer Tagung mit anschliessender Exkursion das Rüstzeug für einen sinnvollen Einsatz von künstlichem Licht im Aussenraum.

(Bild: zVg) Lichterflut über einer Siedlung

Eine grosse Menge Licht wird jede Nacht in den Himmel geschickt, mit gravierenden Auswirkungen auf die Umwelt und unser Wohlbefinden. Lichtverschmutzung ist ein weltweites Phänomen. Satellitenauf­nahmen zeigen eindrücklich, wie stark vor allem in den Industrienationen die Lichtemissionen zunehmen und die Nacht erhellen. Auch die Schweiz leidet an Lichtverschmutzung – mehr, als man glauben möchte. In den Bergen ist der Sternenhimmel zwar wesentlich besser zu sehen als im Mittelland und der Agglomeration der Städte. Dennoch gibt es in der ganzen Schweiz keinen Ort mehr, wo in der Nacht natürliche Dunkelheit erreicht wird. Aber wofür ist die Dunkelheit gut? Lichtverschmutzung kann sich in unterschiedlicher Ausprägung auf die Gesundheit des Menschen auswirken. Schlafstörungen sind nur der Anfang. 2017 haben drei US-Forscher den Nobel­preis in Medizin erhalten für ihre Forschung über Funktion und Kontrolle der inneren Uhr. Sie haben herausgefunden, dass die innere Uhr präziser funktioniert als jeder Wecker. Es wird angenommen, dass Störungen dieser biologischen Uhr auch in Zusammenhang mit Depressionen stehen.

Einfluss des Lichtes auf die Natur
Jedoch leidet nicht nur der Mensch, sondern auch die Natur unter zu viel Licht. Für viele Tierarten ist die Dunkelheit ein lebensbestimmender Faktor. Sie haben sich im Laufe der Evolution an den Tag-Nacht-Wechsel angepasst. Die Milliarden von Vögeln, die alljährlich nachts von Europa nach Afrika und wieder zurückziehen, orientieren sich unter anderem anhand der Sterne. Die Vögel sind heute mit völlig neuen Lichtverhältnissen konfrontiert. Vor allem bei schlechter Sicht werden sie von Lichtquellen und von den Lichtglocken über grossen Städten angezogen und von ihrem Weg abgelenkt. Auch nachtaktive Insekten werden durch künstliches Licht von ihrem natürlichen Lebensraum weggelockt. Statt Nahrung zu suchen, sich zu paaren oder Eier zu legen, verfliegen sie ihre Energie­vorräte an den Lampen oder verfallen in lichtgesteuerte Tages­passivität. «Nicht nur auf nachtaktive Tiere, sondern auch auf Pflanzen haben unnatürlich helle Nächte Auswirkungen. Bei gewissen Pflanzen kann beobachtet werden, dass künstliches Licht während der Nachtruhezeit den Blatt- oder Blütentrieb zu früh auslöst. Unnatürlich kurze Nächte im Herbst können aber auch den Blattabwurf und den Beginn der Winterruhe verzögern. Diese Einflüsse von Kunstlicht auf Pflanzen in der freien Natur sind jedoch noch weitgehend unerforscht», sagt Roland Bodenmann von DarkSky Switzerland.

Tagung zum Thema Licht­verschmutzung
Lichtverschmutzung ist die Folge von ineffizienter Beleuchtung. Viele Lichtquellen sind nicht zwingend nötig. Sie leuchten auch dann, wenn niemand sie braucht, strahlen in den Himmel oder in unsere Schlafzimmer statt nur auf das Objekt, das sie erhellen sollen. Mit den Auswirkungen dieser Lichtflut auf Menschen, Tiere und Pflanzen und den Möglichkeiten, das nächtliche Kunstlicht zu reduzieren, setzen sich an der Tagung «Licht aus – Spot an!» am 16. Oktober im Naturama in Aarau Experten aus verschiedenen Fachbereichen auseinander. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, künstliches Licht zielgerichtet und sinnvoll einzusetzen. Ein professioneller Lichtplaner informiert über den neuesten Stand der Technik. Ein Erfahrungsbericht des Geschäftsleiters von Dark-Sky Switzerland und Gemeinde­rates aus Langnau a.A. gibt wichtige Inputs, wie sich ein sinnvolles Beleuchtungskonzept auf Gemeindeebene umsetzen lässt. Störende Lichtemissionen lassen sich gefahrenlos vermindern. Zudem kann mit einer sinnvollen Beleuchtung auch Strom gespart werden.

pd


Die Tagung «Licht aus – Spot an!» und die anschliessende Exkursion finden am 16. Oktober 2018 (Tagung 13.30 bis 17 Uhr, Exkursion 19 bis 21 Uhr) im Naturama Aargau, Feerstrasse 17 in Aarau statt.

Die beiden Anlässe werden vom Naturama Aargau in Zusammenarbeit mit Dark-Sky Switzer­land, BirdLife Aargau und der Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons Aargau organisiert.

Kosten: Tagung 80 Franken inkl. Stehdinner, Exkursion kostenlos.

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