Marc Widmer wird Duathlon Director bei Swiss Triathlon

«Powermarc» wechselt die Seiten, die Passion bleibt aber

Marc Widmer beendet seine eindrückliche Spitzensportkarriere. Der 38-jährige Zürcher wird Duathlon Director beim Schweizerischen Triathlonverband Swiss Triathlon. «Powermarc» will helfen, die Randsportart Duathlon populärer zu machen.

(Bild: Powerman Zofingen) Marc Widmer (ganz links gleich neben Stefan Ruf, OK-Präsident des Powerman Zofingen), beim 30. Powerman Zofingen noch selbst als Athlet am Start, wird nun bei Swiss Triathlon Duathlon Director

Eine langjährige Karriere im Hochleistungssport verdichtet sich im Rückblick oft auf einen einzigen Moment: Der grösste Triumph überstrahlt alles. Bei Marc Widmer ist die Sache etwas komplizierter und gleichzeitig faszinierender. Der 38-Jährige, der in Horgen wohnhaft ist, ist diesen Herbst aus der Schweizer Duathlon-Nationalmannschaft zurückgetreten. Sein grösster Erfolg war kein einzelner Sieg, wie er selbst sagt, kein bestimmter Podestrang, kein gewonnenes Duell – sondern seine aussergewöhnliche Konstanz.

Lange an der Weltspitze
Widmer gehörte 15 Jahre lang zur Weltspitze im Duathlon, einer Sportart, die oft im Schatten des Triathlons steht, obwohl sie als fordernde gilt und in der Schweiz eine besondere Tradition hat. 15 Mal nahm der in Wädenswil aufgewachsene Duathlet an den Langdistanz-Weltmeisterschaften teil, die jedes Jahr in Zofingen ausgetragen werden. Nach einem coupierten Lauf über 10 Kilometer warten 150 wellige Radkilometer, gefolgt von einem noch anspruchsvolleren zweiten Lauf über 30 Kilometer. Widmer erreichte acht Top-Ten-Plätze und schaffte es elfmal in die Top 12. Nie beendete Widmer das WM-Rennen vorzeitig. Das ist eine Bilanz, die auf Jahre hinaus schwer zu übertreffen sein dürfte.

Mentale Stärke
Seine beste WM-Platzierung war der 5. Platz 2008. Manchmal braucht ein Sportler keinen grossen Sieg, um für jüngere Athleten und für Amateure zum Vorbild zu werden. Der Respekt vor dem Zürcher wuchs in der Duathlon-Szene von Jahr zu Jahr, obwohl sein Traum von einer Medaille unerfüllt blieb. Mal erkrankte er zur Unzeit am Pfeifferschen Drüsenfieber, mal manövrierte er sich in ein schädliches Übertraining, mal brach er sich bei einem Trainingsunfall die Hand. Jedem dieser Rückschläge stellte er sich beharrlich und optimistisch, um anfangs September bei der längsten und härtesten Duathlon-Prüfung der Welt in ausreichender Form an den Start zu gehen. Der 38-Jährige sagt von sich selbst, dass er physisch nicht das grösste Talent besass – aber er schlug begabtere Duathleten dank seinem langjährigen, konstanten Training und seiner mentalen Stärke.

Zofingen als grosse Passion
Widmer studierte in St. Gallen Law & Economics, wurde 2012 juristischer Mitarbeiter bei der Rechtsanwaltskanzlei Roesle Frick & Partner und stieg dort 2017 zum Partner auf. Trainiert wurde an den Randzeiten des Tages. Jahrelang verzichtete der Rechtsanwalt auf gewöhnliche Urlaube, um seine Trainingslager absolvieren zu können, teilweise in unbezahlten Auszeiten. Das Leben war auf die Duathlon-WM ausgerichtet, auf einen einzigen Tag im Jahr; Zofingen war Widmers grosse Passion.

Widmer folgt auf Imfeld
Jetzt wechselt der 38-Jährige die Seiten. Er übernimmt in einem Teilzeitpensum den Posten des Duathlon Directors beim Schweizerischen Triathlonverband (Swiss Triathlon). Widmer folgt auf den Übergangsdirektor Oliver Imfeld, der beim Powerman Zofingen mittelweile General Secretary ist. «Er ist unser Wunschkandidat», sagt Stefan Ruf, Vizepräsident und Duathlon-Vorstand des Verbandes. «Kaum jemand kennt den Sport so gut wie er. Ich bin sicher, dass er in seiner neuen Aufgabe ebenso ehrgeizig und professionell agieren wird wie in seinen 15 Jahren als Spitzenduathlet.» Der ehemalige Profi soll einen Sport weiterentwickeln, der bei nüchterner Betrachtung sein Potenzial seit Jahren bei weitem nicht ausschöpft. Im Gegensatz zur Schwesterdisziplin Triathlon wurde der Duathlon 2000 nicht ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen. Die Triathlon-Marke «Ironman» ist ungleich bekannter als die Duathlon-Marke «Powerman». Widmer ist überzeugt, dass gemeinsam mit professionellen Partnern die Trendwende zu schaffen ist. Als Duathlon Director will Widmer seinen Teil dazu beitragen, die Athleten und ihre Leistungen ins Rampenlicht zu rücken.

Sebastian Bräuer

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